Methoden & Therapien

Hier stellen wir in Kurzform und alphabetisch sortiert die Methoden und Therapien vor, die im Haus Mignon zur Anwendung kommen.

Basale Sinnespflege: Therapiesituation mit Kind

Basale Sinnespflege

Bei der basalen Sinnespflege werden die vier Sinne Tastsinn, vegetatives Nervensystem, Eigenbewegungssinn und Gleichgewicht geschult. Die Eltern erfahren, wie man dies ganz allgemein beim Spielen, bei der Pflege, beim Lagern, Essen, zu Bett bringen oder im alltäglichen Miteinander tun kann. Dazu gehören z. B. das Einölen des Kindes, Kinderreime und Lieder. So wird das Interesse geweckt und nach einiger Zeit zeigt sich oft eine stärkere seelische Präsenz. Manche Kinder sprechen besonders gut auf Musik und Rhythmus an. Sie beruhigen sich und machen zunehmend mit.

Ergotherapie

Die Ergotherapie soll dem Kind helfen, Handlungen in seinem Alltag besser und selbständiger auszuführen, damit es eine höhere Lebensqualität erhält und sich später eigenständiger versorgen und besser am produktiven und gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Beeinträchtigungen werden durch gezieltes Üben von individuell sinnvollen Tätigkeiten behandelt.

Frühförderung

Die Frühförderung betrifft die ersten Lebensjahre des Kindes. Durch Untersuchungen, Tests, Beobachtung und Gespräche wird durch einen Arzt und das Frühförderteam festgestellt, wie groß die Entwicklungsdefizite sind und der weitere Förder- und Behandlungsplan für das Kind festgelegt. Ist dieser durch das Sozialamt bewilligt, findet die eigentliche Frühförderung in der Regel zu Hause statt. Das erspart den Eltern Zeit und Wege und reißt das Kind nicht aus seinem gewohnten Umfeld. Ein bis zweimal in der Woche kommt immer die gleiche Heilpädagogin. In ihr haben die Eltern einen festen Ansprechpartner für alle Fragen ihrer traumatischen Erlebnisse und ihres schwierigen Alltags.

Heileurythmie

Eurythmie ist eine durch Rudolf Steiner entwickelte Bewegungskunst bzw. Gebärdensprache, durch die mit dem ganzen Körper ausgedrückt wird, was durch Sprache schwierig zu vermitteln ist. Text und Musik werden durch bestimmte Gesten, Farben und Raumformen in Bewegung umgesetzt. Bei der Heileurythmie sollen gezielte Bewegungsübungen gestörte Bereiche in der seelischen, physischen und geistigen Entwicklung in ein harmonisches Gleichgewicht bringen und Selbstheilungsprozesse des Kindes aktivieren.

Heilpädagogik

Heilpädagogen helfen Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten oder mit geistigen, körperlichen und sprachlichen Beeinträchtigungen. Nach der Diagnose von Problemen und Störungen, aber auch von vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten erstellen sie einen individuellen Behandlungsplan. Durch geeignete pädagogische Maßnahmen fördern sie die Persönlichkeit, die Eigenständigkeit, die Gemeinschaftsfähigkeit, den Entwicklungs- und Bildungsstand sowie die persönlichen Kompetenzen des Betreuten. Daneben beraten sie Angehörige, etwa in Konflikt- und Problemsituationen. Im Wort „Heilpädagogik“ leitet sich die Vorsilbe „Heil“ vom griechischen „holos“ („ganz“) ab und bedeutet hier nicht heilen im medizinischen Sinne, sondern eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen. Damit ist der wichtigste Grundgedanke der Heilpädagogik, nicht alleine eine konkrete Störung zu beheben, sondern den ganzen Menschen mit seinen Fähigkeiten, Problemen, Ressourcen sowie seinem sozialen Umfeld bei der Behandlung einzubeziehen.

Therapiesituation Heilpädagogik: Kind greift eine Kastanie

Heilpädagogische Behandlung

Die heilpädagogische Behandlung steht seit mehr als dreißig Jahren im Mittelpunkt des Haus Mignon. Sie ist entwicklungsbegleitend in den Bereichen Spiel, Motorik und Wahrnehmung. Die Behandlung beinhaltet die Methoden der basalen Sinnespflege, heilpädagogischen Spieltherapie, psychomotorischen Bewegungsbegleitung sowie Sprach- und Kommunikationsförderung.

In den ersten Behandlungseinheiten findet eine ausführliche entwicklungsdiagnostische Abklärung statt, um einen Förderplan und die Behandlungsziele zu erstellen. In der heilpädagogischen Behandlung steht die individuelle Entwicklung des Kindes im Vordergrund. Durch das aktive Spiel erlebt das Kind seine Ressourcen und baut Selbstvertrauen und Selbstsicherheit auf.

Heilpädagogisches Spiel

Das kindliche Spiel ist die natürlichste Ausdrucksform des jungen Menschen und Grundlage für alle Entwicklungs- und Lernprozesse. In der Heilpädagogik wird das Spiel einerseits diagnostisch beobachtet und andererseits gezielt durch Anregungen und verschiedene Materialien gefördert. Durch das Spielen erschließt sich das Kind die Umwelt, die eigenen Fähigkeiten sowie die Wirkung seines Verhaltens. Es sammelt Erfahrungen, übt Fertigkeiten und kann Konflikte ausdrücken, ohne bewusst darüber sprechen zu müssen. Beim Rollenspiel etwa stellen Kinder aktuelle Erlebnisse dar und verarbeiten diese. Sie lernen Handlungsalternativen und erleben Konsequenzen und Grenzen. Durch Regelspiele werden bestimmten Fähigkeiten eingeübt wie z. B. das Zuordnen von Farben und Formen oder das Einhalten von Regeln.

Hilfsmittelberatung

Im interdisziplinären Förderkonzept ist eine individuelle Versorgung mit Hilfsmitteln für viele Patienten ein zentraler Therapiebestandteil. Im Kindesalter werden u. a. Orthesen, Schienen, Therapiestühle, Stehständer oder sogenannte Reha-Buggys eingesetzt. Die Hilfsmittelversorgung sollte optimal an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst und gut in die Förderkonzepte (Physiotherapie/Ergotherapie) integriert werden. Eine zeitgerechte Beratung und Anpassung sichert und fördert Entwicklungspotentiale. Seit 2013 bietet die Frühförderung des Hauses Mignon in Kooperation mit einer Physiotherapiepraxis und einem Hersteller die Hilfsmittelberatung an. Die Indikation zur Beratung wird im Rahmen der Eingangs- bzw. Verlaufsdiagnostik durch den Arzt der Frühförderstelle gestellt und erfolgt in Absprache mit den Kinderärzten bzw. Kinderorthopäden.

Kunsttherapie

Bei der Kunsttherapie steht der aktive bildnerische und nonverbale Prozess im Vordergrund. Kinder lernen durch vielfältige Angebote ihre Fähigkeiten kennen, entwickeln sie weiter und bauen Selbstvertrauen auf. Das Malen, Zeichnen und die plastische Arbeit mit verschiedenen Materialien wie Ton, Holz oder Speckstein fördern die innere Regsamkeit des Kindes. Seine Vital- und Willenskräfte werden gestärkt, wodurch Selbstheilungskräfte angesprochen werden.

Logopädie

Logopäden therapieren Störungen beim Sprachverständnis und Sprechen, aber auch bei der Atmung, Mundfunktion, beim Schlucken und Hören. Die Behandlung besteht aus Übungen, Gesprächen über den Behandlungsverlauf und Anleitung zum selbständigen Üben.

Musiktherapie

Die therapeutisch genutzten Möglichkeiten des musikalischen Ausdrucks stärken das Kind innerlich. Im musikalischen Erleben von Takt, Rhythmus, Dynamik, Melodie und Form erfährt es sich selbst und gewinnt an Sicherheit. Das stabilisiert die gesamte Persönlichkeitsentwicklung. Das Selbstbewusstsein und die Konzentrationsfähigkeit des Kindes können gezielt verbessert werden und sein ggf. belastendes Verhalten verändert sich. Bei entwicklungsverzögerten oder behinderten Kindern fördert die auditive Stimulation neben der Selbstwahrnehmung auch die Interaktion mit anderen sowie eine bessere Sprachanbahnung. Das unterstützt gleichzeitig die Eltern-Kind-Bindung.

Musiktherapie: Zwei Xylofone

Physiotherapie

Bei der Physiotherapie (Krankengymnastik) werden vor allem die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers verbessert, aber auch die Koordination, Konzentration und Ausdauer. Gezielte Übungen und Anregungen (z. B. Wärme, Druck) sprechen die Eigenaktivität und Sinneswahrnehmung des Kindes an. Physiotherapie kann auch Schmerzen reduzieren.

Psychomotorik

Psychomotorik bezeichnet den Zusammenhang von psychischen Vorgängen, wie z. B. Emotionalität oder Konzentration, individueller Persönlichkeit und Reife einerseits sowie Bewegungsspiel andererseits. Die Psychomotorik als ganzheitliche Therapie fördert Wahrnehmung und Bewegung gleichermaßen unter Berücksichtigung des jeweiligen sozialen Umfeldes. Mithilfe von gezielten Bewegungsangeboten werden Kinder unterstützt, die Schwierigkeiten in der psychosozialen oder emotionalen Reifung haben und z. B. durch Aggressivität, Unruhe oder Ängstlichkeit auffallen. Auch Kinder mit mangelnder Gefahreneinschätzung oder nicht altersgerechtem Bewegungsverhalten erhalten wichtige Entwicklungsanreize. Ein zentrales Ziel ist, dass sich die Kinder ihrer eigenen Wirksamkeit und Handlungsmöglichkeit bewusst werden.

Rhythmische Massage

Die Rhythmische Massage ist eine Ableitung der klassischen schwedischen Massage, unterscheidet sich aber deutlich durch den saugenden, rhythmischen Charakter jedes einzelnen Griffes. Ihre Entwicklung basiert auf einem ganzheitliches Menschenbild im Zusammenspiel mit den Elementen der Natur. Die Massage wirkt auf die Flüssigkeitsströme und die Atmung des Patienten, um krankhaft verfestigte und verdichtete Strukturen zu lösen und damit organische Prozesse sowie das Lebensgefühl positiv zu beeinflussen.

Sensorische Integration

Sensorische Integration ist das Zusammenspiel verschiedener Sinnesqualitäten und -systeme. So stimulieren z. B. Gleichgewichtsreize, etwa, wenn wir auf einem Bein stehen, Rezeptoren im Innenohr und führen so zu einer Haltungsanpassung, damit wir nicht stürzen. Auch koordinieren wir verschiedene Sinne, um richtig wahrzunehmen, in welchem Verhältnis wir uns in einem Raum oder zu Gegenständen und anderen Menschen befinden. Störungen der sensorischen Integration können sich in Schlaffheit, Zappeligkeit, Ungeschicklichkeit, Überempfindlichkeit bei Berührungen, sozialen Ängsten oder Verhaltensauffälligkeiten äußern. Bei der Therapie soll die Sensorische Integration durch gezielte Reizsetzung verbessert werden. Z. B. lässt sich die muskuläre Grundspannung durch Trampolinspringen oder Schaukeln erhöhen.

Therapiesituation Sensorische Integration: Viele Hände formen verschiedene Figuren

Sozialberatung

Den Familien, deren Kinder im Haus Mignon Frühförderung erhalten, bieten wir in der Frühförderstelle Hamburg-Eimsbüttel Termine zur Sozialberatung an. Hier erhalten sie ein auf ihre persönliche Situation abgestimmtes Beratungsgespräch zu den Rechten behinderter Kinder. Dazu gehören auch Hilfe bei der Antragstellung (z. B. für einen Schwerbehindertenausweis oder Pflegestufen) sowie das Empfehlen ergänzender Hilfsangebote.

Steep-Beratung

Steep steht für „steps toward effective and enjoyable parenting“ (Schritte zu einer gelingenden, Freude bereitenden Elternschaft). Das Programm basiert auf den Kenntnissen der Bindungsforschung und fördert die Kompetenzen von Eltern mit eigener belastender Biographie im Umgang mit ihrem Kind. In Begleitung des Steep-Beraters treffen die Eltern auf ihre Kinder, wobei wiederkehrende, kleine Rituale eine Struktur geben. Nach Absprache werden bestimmte Situationen gefilmt. Hintergrund hierbei ist, dass die Eltern auf die Signale ihres Kindes oft unangemessen, zeitverzögert oder unvollständig reagieren. Das führt wiederum dazu, dass die Kinder nun ihrerseits die Signale zu stark oder auch zu schwach aussenden – ein Umstand, der auch die Interaktion mit Gleichaltrigen erschwert. Das gemeinsame Betrachten der Videoaufnahmen mit den Eltern und begleitende Gespräche sollen sie befähigen, die Signale ihrer Kinder besser wahrzunehmen, zu verstehen und angemessen zu reagieren.

Supervision

In der Supervision lernen Einzelpersonen oder Teams, ihr berufliches Handeln zu überprüfen und zu verbessern. Dazu vereinbaren die Teilnehmer mit dem qualifizierten Supervisor, der nicht zur Organisation gehört, ausgehend vom Ist-Zustand konkrete Ziele für gemeinsame Sitzungen. Bei der Teamsupervision tauschen sich die Teilnehmer unter Anleitung des Supervisors über ihre Erfahrungen und Probleme aus, wobei sich jeder Einzelne einbringt. Anschließend wertet der Supervisor seine Beobachtungen aus, verdeutlicht bestehende Ressourcen und gemeinsam werden Handlungsanleitungen und Lösungen erarbeitet. Ziel der vom Haus Mignon angebotenen Supervision ist es z. B., in pädagogischen Einrichtungen Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen von Kindern besser zu erkennen und kompetenter mit ihnen umzugehen. Bei der Fallsupervision wird der Umgang mit einem bestimmten Kind gemeinsam geplant und verbessert.

Systemische Beratung und Familientherapie

Jeder Mensch ist mit seinen Fähigkeiten und Schwierigkeiten Mitglied in einem System. In diesem Zusammenhang werden in der Beratung und in der Therapie sowohl die Bereiche bearbeitet, die zu einer Belastung führen, als auch diejenigen, die zu einer Entlastung führen. Ziel ist es, die momentane Situation zu verbessern und neue Handlungsperspektiven zu entwickeln. Die Systemische Beratung und Familientherapie wendet sich an das Kind, die gesamte Familie oder die Bezugspersonen. Falls notwendig, können Betreuungs-, Erziehungs- und Schulungseinrichtungen mit einbezogen werden.

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